Biodiversität

= Biologische Viefalt | Vielfalt an Lebensformen

Biodiversität ist die Vielfalt des Lebens, oder die Variabilität lebender Organismen unterschiedlichster Lebensräume und deren Zusammenhänge. Dies umfasst die Vielfalt innerhalb und zwischen den Arten sowie die Vielfalt an Lebensgemein-schaften, Ökosystemen und darin ablaufender Prozesse. Kulturpflanzen und Nutztiere, Mikroorganismen und Gene sind genauso Teil dieser biologischen Vielfalt wie wildlebende Tiere, Wildpflanzen und wir Menschen.

Gefährdung der Biodiversität

Biodiversität (Arten und Lebensraumvielfalt) das ist die natürliche Basis für uns Menschen. Die Nahrungsmittel beziehen wir aus genutzten Lebensräumen, wir nutzen Bestäuberleistungen durch die Bäume, die im Garten die Blumen bestäuben. Es gibt viele solcher Leistungen die für uns, als hochtechnisierte Gesellschaft, essentiell sind zu unserem langfristigen Überleben. Deswegen ist der Schutz von Arten und Lebensräumen kein Luxusthema sondern in unserem ureigenen Interesse.
Ass.-Prof. Mag. Dr. Franz Essl
Biodiversitätsforscher | Universität Wien
Die Biodiversität ist vielfältig gefährdet. Durch Übernutzung, durch Veränderung, Zerschneidung, Flächenversiegelung oder Vernichtung von Lebensräumen und Ökosystemen, durch gebietsfremde invasive Arten (Neobiota) oder auch durch den Klimawandel.

Rote Listen

Rote Listen erfassen die Gefährdung von Arten und Lebensräumen. Sie sind ein wichtiges Naturschutzinstrument und werden von der International Union for Conservation of Nature and Natural Resources (IUCN) aber auch von Einzelstaaten, Regionen und Ländern veröffentlicht. Neben der IUCN Roten Liste der bedrohten Arten, gibt es unter anderem noch Europäische Rote Listen für Habitate und Arten, eine Rote Liste der gefährdeten Biotoptypen Österreichs sowie für Pflanzen und Tiere, und Rote Listen unterschiedlicher taxonomischer Gruppen für einzelne Bundesländer.
Rote Listen werden anhand von festgelegten Kriterien erstellt. Jede Art oder Biotop wird einzeln anhand dieser Kriterien bewertet und in bestimmte Gefährdungskategorien eingestuft. Rote Listen liegen in unterschiedlicher Aktualität vor und müssen immer wieder erneuert werden. Die Rote Liste der Pflanzen Österreichs ist beispielsweise von 1999. Die Rote Liste der Großpilze in Österreich wurde 2016 neu überarbeitet.
  • 10.800 Tierarten, 4.450 Pilzarten, 2.950 Gefäßpflanzen wurden im Zuge der Erstellung der Roten Listen bewertet – nicht alle sind gefährdet
  • 33% aller Farn- und Blütenpflanzen und 39% aller Tierarten sind gefährdet
  • Mehr als 55% der Libellenarten sind als gefährdet eingestuft
  • 57% der Wirbeltiere (Säugetiere, Vögel, Reptilien, Amphibien und Fische) sind gefährdet oder bereits ausgestorben
  • Rund 52% aller Tagfalter und 40% von 800 ausgewählten Nachtfaltern gelten als gefährdet
  • 1.300 Pilzarten in Österreich (29%) wurden als gefährdet eingestuft
  • 59,4% der Biotoptypen Österreichs sind gefährdet
  • 53 von 93 Waldbiotoptypen gelten als gefährdet
Österreich verfügt über eine weltweit gesehen relativ hohe Artenvielfalt, und hat damit auch im globalen Kontext die besondere Aufgabe, Möglichkeit und Herausforderung, diese Vielfalt zu schützen und zu erhalten. Nach wie vor mangelt es in Österreich noch an vielen Basisdaten, um den aktuellen Zustand und die Gefährdung der Biodiversität in Österreich überhaupt quantifizieren zu können. Viele taxonomische Gruppen, wie die mikrobielle Diversität, sind nicht ausreichend dokumentiert und weitestgehend unerforscht.

Veränderungen der Biodiversität

Living Planet Index

Ein Gradmesser für die Veränderung ist der Living Planet Index welcher alle zwei Jahre vom WWF und der Zoologischen Gesellschaft London erstellt wird. Hierbei werden die durchschnittlichen Bestandsentwicklungen von Wirbeltierpopulationen analysiert und dargestellt. 2018 wurde unter Zusammenarbeit von WWF Österreich und BOKU auch ein Index für Österreich erstellt. Im Zeitraum von 1986 bis 2015 gingen die heimischen Wirbeltierbestände im Schnitt um 70% zurück.

Essential Biodiversity Variables (EBV)

Einen Beitrag zum besseren Verständnis von Biodiversitätsveränderungen sollen Essential Biodiversity Variables (EBV) leisten. Dieses Konzept wurde im Rahmen von GEO BON (Group on Earth Observation) erarbeitet, mit dem Ziel der Vereinheitlichung von Biodiversitätsdaten und der Zurverfügungstellung eines einheitlichen Messinstruments für die Analyse, das Monitoring und das Management der Veränderung der Biodiversität. Es wurden 21 potentielle EBVs vorgeschlagen, wie z. B. die Verteilung von Arten, die Heterogenität von Ökosystemen oder die Reproduktion. Biodiversitätsdaten und deren Veränderungen sollen damit international besser vergleichbar werden und für Entscheidungsträger_innen valide Informationen liefern.

Schutz der Biodiversität

Schutz und Förderung der Biodiversität kann auf vielfältige Weise passieren:
  • Schaffung und Einhaltung rechtlicher und politischer Rahmenbedingungen auf regionaler, nationaler und internationaler Ebene (Gesetze, Verordnungen, Übereinkommen, Strategien)
  • Schaffung inhaltlicher und finanzieller Grundlagen
  • Angewandter Arten- und Biotopschutz (Schutzmaßnahmen, Restaurierung/Wiederherstellung, Monitoring & Kontrolle)
  • Botanische Gärten, Zoos, Naturkundemuseen (Sammlung, Informationsaufbereitung, Forschung, Umweltbildung)
  • Nichtregierungsorganisationen (NGOs) (Erhaltung von Saatgut, Tier- und Umweltschutz)
  • Nachhatlige Nutzung und Umweltbildung (Förderung der ökologischen Bewirtschaftung, spezielle Angebote für Schule, Erwachsenenbildung)

Grüne Listen

Seit 2012 arbeitet die IUCN an der Green List of Protected and Conserved Areas. Diese Grüne Liste ist der erste globale Best Practice Standard für Schutzgebiete und ein Leitfaden, um Schutzgebiete im Sinne des Artenschutzes besser und effektiver zu managen. Aktuell (Stand Feb. 2019) sind 40 Schutzgebiete in 14 Ländern gelistet, in Europa sind dies Gebiete in Frankreich, Italien und Spanien. Seit 2018 arbeitet die IUCN an einem Rahmen für eine „IUCN Green List of Species“.
  1. Wittig, R. & Niekisch, M. (Eds.) (2014) Biodiversität: Grundlagen, Gefährdung, Schutz. Springer-Verlag Berlin Heidelberg. doi:10.1007/9783642546945.
  2. Sauberer, N., Moser, D., & Grabherr, G. (Eds.) (2008) Biodiversität in Österreich. Räumliche Muster und Indikatoren der Arten- und Lebensraumvielfalt. Haupt Verlag.
  3. BMNT (2008). Sixth National Report of Austria to the Convention of Biological Diversity. Wien: 159.
  4. Dämon, W. & Krisai-Greilhuber, I. (2016) Die Pilze Österreichs. Verzeichnis und Rote Liste 2016. Teil: Makromyzeten. Österreichische Mykologische Gesellschaft, Wien.
  5. Tiefenbach, M. (1998) Naturschutz in Österreich. Monographien, Band 91. Umweltbundesamt, Wien.
  6. BMLFUW (2013) Zustand und Bedeutung der biologischen Vielfalt in Österreich. Wien.
  7. Huemer, P. (2016) Ausgeflattert – der Stille Tod der österreichischen Schmetterlinge. Wien: Blühendes Österreich – REWE International gemeinnützige Privatstiftung & Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000/Friends of the Earth Austria.
  8. Essl, F. & Egger, G. (2010) Lebensraumvielfalt in Österreich – Gefährdung und Handlungsbedarf. Zusammenschau der Roten Liste gefährdeter Biotoptypen Österreichs. Naturwissenschaftlicher Verein für Kärnten & Umweltbundesamt.
  9. KIÖS (2018) Umwelt und Gesellschaft. Herausforderung für Wissenschaft und Politik. KIOES Opinions, 8, 1-104. doi:10.1553/kioesop_008
  10. Umweltbundesamt (2013) Zehnter Umweltkontrollbericht. Umweltsituation in Österreich. Reports, Bd. REP-0410. Umweltbundesamt, Wien.
  11. BMLFUW (2014) Biodiversitäts-Strategie Österreich 2020+. BMLFUW, Wien.
  12. Niklfeld, H. (1999). Rote Listen gefährdeter Pflanzen Österreichs. 2. Auflage. Grüne Reihe des Bundesministeriums für Umwelt, Jugend und Familie, Band 10, Wien.
  13. WWF Österreich (2018) WWF Living Planet Report 2018: Menschlicher Raubbau an der Natur beschleunigt das Artensterben. Retrieved from https://www.wwf.at/de/wwf-living-planet-report-2018-menschlicher-raubbau-an-der-natur-beschleunigt-das-artensterben/