Stellungnahme des Österreichischen Biodiversitätsrates (ÖBDR) zur öffentlichen Konsultation der Europäischen Kommission „Stresstest der Vogelschutz- und der FFH-Richtlinie“ (Initiative Nr. 18072)
Die über 500 Vogelarten Europas sind weit mehr als einzelne, medienwirksame Flaggschiffarten – sie sind integrale Bestandteile sowohl natürlicher, als auch menschlich-geprägter Ökosysteme. Vögel sind hochsensible Frühwarnindikatoren für den Zustand dieser Ökosysteme, welche unsere Lebensgrundlage bilden. Wir empfinden Vögel und Vogelgesang im Sinne von auditiver Ästhetik als positiv, aber der messbare Rückgang der akustischen Vielfalt unserer Frühlingslandschaften – Wissenschaftler:innen sprechen von einem leiseren, immer eintönigern Vogelgesang in Europa der letzten 25 Jahre – macht den schleichenden Biodiversitätsverlust buchstäblich hörbar.
Der Österreichische Biodiversitätsrat (ÖBDR) unterstützt die Position von Umweltdachverband und BirdLife Österreich, die am 27.07. in einer gemeinsamen Presseaussendung Stellung bezogen und vor einer Aufweichung der EU-Naturschutzrichtlinien gewarnt haben. Die Vogelschutz- und FFH-Richtlinie muss konsequent umgesetzt werden. Ergänzend wollen wir als ÖBDR die Aufmerksamkeit auf folgende vier Handlungsfelder lenken, aus welchen in weiterer Folge eine Anpassung der nationalen/europäischen Legislative abgeleitet werden muss.
- Verbindliche Konnektivitätskriterien für Natura 2000 ergänzen und Schutzstandards sichern
- Insektenschutz und Vogelschutz EU-weit konsistent verknüpfen (Agrarpolitik, Pestizidreduktion, Wildpflanzenförderung) und finanzieren
- F&E-Förderung für Vogelschutztechnologie bei Windkraft (Radar/Kamera-Detektion) als Teil der „Vereinfachungsagenda“ verankern
- Prädation durch Hauskatzen als ergänzenden Belastungsfaktor in Monitoring und Berichterstattung erfassen und technologische Möglichkeiten erforschen.